Kleine, bewusste Momente für die Sinne – riechen, schmecken, sehen, hören und fühlen.
Genusstraining ist ein Baustein der Verhaltenstherapie: positive Erlebnisse wieder wahrnehmen und Schritt für Schritt ausbauen – besonders bei Depression, Erschöpfung oder wenn sich alles nur noch „taub“ anfühlt.
Worum es geht
In der Genusstherapie geht es darum, positive Eindrücke über die Sinne wieder bewusster zu erleben:
Gerüche, Geschmäcker, Farben, Klänge, Berührungen. Genusstraining gehört zu den sogenannten euthymen Verfahren und wird oft bei Depression, Burnout oder Schmerz eingesetzt, um die Fähigkeit zu genießen wieder zu stärken.
Die Übungen sind meist klein und alltagsnah: ein Stück Obst, ein Schluck Tee, Musik, ein Spaziergang.
Wichtig ist nicht, „viel Spaß“ zu haben, sondern die Aufmerksamkeit für kleine, angenehme Momente zu schulen – ohne Druck, etwas fühlen zu müssen.
Mein Anker
„Diesen einen Bissen nehme ich wirklich wahr.“
Vielleicht findest du deinen eigenen Satz – etwa „Ich darf mir kleine Inseln gönnen“ oder „Ein Moment Genuss ist erlaubt“.
So kannst du starten
Such dir etwas Kleines, das grundsätzlich angenehm sein könnte – zum Beispiel eine Tasse Tee, ein Stück Obst, Musik oder einen Geruch.
Nimm dir 2–5 Minuten nur dafür. Handy weg, andere Tabs zu, wenn möglich.
Nutze möglichst viele Sinne: Wie sieht es aus, wie riecht es, wie fühlt es sich an, wie klingt es, wie schmeckt es?
Bleib neugierig, ohne zu bewerten. Es muss sich nicht „wow“ anfühlen – ein kleines „ganz okay“ ist vollkommen genug.
Zum Schluss: Frage dich kurz, ob du irgendetwas Angenehmes bemerkt hast – und wenn ja, benenne es innerlich mit einem Wort oder Satz.
Wenn Genusstherapie in deiner Tagesklinik anders aufgebaut ist, orientiere dich bitte an den dortigen Regeln – diese Seite soll nur erinnern und anregen.
Fünf kleine Genuss‑Ideen für zuhause
Schmecken: Ein kleines Stück Lieblingsobst oder Schokolade – langsam kauen, Geschmack und Konsistenz erkunden.
Riechen: An Kaffee, Tee, Gewürzen oder einem Duschgel riechen und innerlich drei Worte für den Geruch finden.
Sehen: Eine Pflanze, ein Bild oder die Aussicht aus dem Fenster für 30 Sekunden wirklich ansehen – Farben, Formen, Licht.
Hören: Ein kurzes Musikstück oder Alltagsgeräusche bewusst wahrnehmen – ohne nebenbei etwas anderes zu tun.
Fühlen: Die Hände in warmes Wasser oder über eine strukturierte Oberfläche legen und die Empfindung beschreiben.
Wähle das, was heute am wenigsten anstrengend wirkt. Es geht um kleine, passende Schritte – nicht um „maximalen“ Genuss.
Geführtes Genusstraining
Kurze angeleitete Übung: ein Getränk oder ein Snack mit allen Sinnen wahrnehmen.
Bald verfügbar …
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Wenn du später Audio‑Übungen hinzufügst, kannst du hier denselben Player wie bei PME verwenden – zum Beispiel für „Genuss über den Geschmack“ oder „Genuss über den Klang“.
Noch wichtig zu wissen
Was, wenn ich gerade gar nichts genießen kann?
Das ist ein häufiges Thema, vor allem bei Depression. Dann darf die Übung sehr klein bleiben: vielleicht nur die Temperatur einer Tasse in der Hand spüren. Auch das ist ein Anfang.
Muss ich jeden Tag etwas genießen?
Nein. Genusstraining soll kein zusätzlicher Leistungsdruck sein. Ein paar bewusste Momente pro Woche können schon viel ausmachen – und manchmal hilft es, sie gemeinsam in der Therapie zu planen.
Kann Genusstherapie eine Behandlung ersetzen?
Nein. Genusstraining kann Stimmung und Lebensqualität unterstützen, ersetzt aber keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei anhaltenden Beschwerden wende dich bitte an dein Behandlungsteam.